Spätrömische Dekadenz – Der Luxus eines Hartz IV – Empfängers

Der Anfang eines Monats sollte Tag der Freude sein. Das Geld vom Amt ist da. Wie schön! Das Leben in Saus und Braus kann beginnen. Leider lässt die Ernüchterung nicht lange auf sich warten. Das Plus auf dem Konto wird sich bald verringern. Nach Überweisung der Miete (die trotz geringer Höhe nicht voll vom Amt übernommen wird) lässt das Geld schon am ersten Tage deutlich weniger werden. Zur Dekadenz gehört auch ein Telefon. Das ist leider auch nicht kostenfrei. Wieder etwas vom Geld dahin. Was ist mit dem Internet? Gehört das zum Luxus? Auch das kostet. Natürlich darf ich nicht die Stromrechnung vergessen. Wie komme ich nur dazu Strom zu verbrauchen? Ich sollte doch lieber bei Kerzenschein Wasser über einer offenen Feuerstelle zum Kochen bringen anstatt mit elektrischem Licht beleuchtet einen E-Herd einzuschalten. Nach Abzug der ersten Kosten eines Monats stelle ich erschreckt fest wie wenig doch übrig bleibt um über die nächsten vier Wochen zu kommen. Der wöchentliche Einkauf im Supermarkt steht an. Wie gut dass ein Billig-Discounter gleich um die Ecke ist. Dort angelangt ziehe ich durch die Regale und bleibe beim Tiefkühlregal bei den günstigen Artikeln stehen. Ein Fertiggericht ist oft noch das billigste. Gesunde Ernährung wird bei Hartz IV klein geschrieben. Abgepackter Aufschnitt, Käse nur wenn er kurz vor dem Ablaufdatum ist (nochmals verringerter Preis), dazu abgepacktes Schnittbrot (schön weich und klebrig) und, um mich zu verwöhnen, Fabrikbrötchen die nur aussehen wie Brötchen, die Konsistenz sagt etwas anderes. Der einzige „Luxus“ ist das Rauchen. Auch hier kann man auf die großen Tabakdosen niedriger Qualität ausweichen. Was man da raucht bleibt einem oft verborgen. Ein kaum gefüllter Einkaufswagen schlägt bereits mit 50 Euro zu Buche. Damit soll ich eine ganze Woche auskommen. Inzwischen hat sich meine Nahrungsaufnahme auf 1-2 Mahlzeiten pro Tag eingependelt. Und etwas Warmes gibt es auch nicht jeden Tag. Von Fleisch brauchen wir gar nicht reden. Wer das eingeschweißte Billigfleisch nicht mag hat keine Chance. Metzger oder Bäcker sind Luxus geworden. So zieht sich der Monat hin. Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel werden nur gekauft wenn der monatliche Ausflug in die Stadt unbedingt nötig ist. Zum Beispiel wenn ein Arztbesuch ansteht. Das würde ich gerne herauszögern wegen der Praxisgebühr. Leider brauche ich jedoch regelmäßig Medikamente. Die Zuzahlung für diese Medikamente in der Apotheke spare ich mir im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde ab. Ich ertappe mich schon dabei meine Medikamente nicht ganz so regelmäßig zu nehmen wenn die Packung leerer wird. So habe ich länger davon. Nur mein zu hoher Blutdruck und andere körperliche Auswirkungen zeigen sich dann.
Lieber Guido Westerwelle. Ich bemühe mich wirklich herauszufinden in welcher Situation ich dekadent bin. Ich bin einer der schmierigen Sozialschmarotzer, die angeblich den ganzen Tag mit der Bierflasche in der Hand am Büdchen stehen. Es tut mir wirklich leid, dass ich aus gesundheitlichen Gründen keinen Vollzeitjob annehmen kann. Besser ist es ich verhungere. Wie kann ich es nur wagen, lieber Guido, auf deine Kosten zu leben. Berechnungen zufolge gibt der Staat ca. 5 Milliarden im Jahr für Leistungsempfänger aus, die wirklich nicht arbeiten wollen obwohl sie könnten. Der Schaden der Steuerhinterzieher macht im Jahr 50 Milliarden aus. Wer ist denn da der Schmarotzer? Schwarzarbeit macht weitere Milliardenschäden im Jahr aus. Doch mein lieber Guido, ich bin so froh, dass ich ganz im Sinne eines Parasiten von deinem Geld ein Leben im Luxus führen kann. Du sagst dass ein Arbeitender mehr Geld haben muss als jemand der nicht arbeitet. Natürlich hast du recht. Leider rollst du das Feld von der falschen Seite auf. Nicht die Hartz IV-Sätze sind zu hoch, sondern die Löhne sind zu niedrig. Ach Guido, es ist so schön zu sehen wie du Mindestlöhne verhinderst und Menschen für Hungerlöhne schuften lässt während du gleichzeitig auf den Ärmsten der Armen herumdrischt. Nun weinst du über die Umfragewerte und fragst dich wo alle deine FDP-Wähler plötzlich geblieben sind. Ich kann dir sagen wo sie sind: beim Finanzamt bei der Selbstanzeige.
Danke Guido. Durch dich ist mir bewusst geworden wer wirklich dekadent ist in diesem Lande.

2 Kommentare zu “Spätrömische Dekadenz – Der Luxus eines Hartz IV – Empfängers”


  1. 1 Reinhard

    Lieber Sascha, dein Statement ist eigentlich Kommentar genug. Zu dem vielbeschäftigten Dampfplauderer schreibt Thomas Wieczorek in seinem E-Book “Die Dilettanten – Wie unfähig unsere Politiker wirklich sind”, dass er bis heute gegen das Image des Politkaspers ankämpft. Als Mitglied des Beirats u.a. der Hamburg-Mannheimer Versicherung-AG, ist er auch so eine Art “Herr Kaiser im Bundestag” (Vortragsvergütungsklasse über 7.000 Euro, s.a.veröffentlichungspflichtige Nebeneinkünfte!!!). …Leider hat sich diese Type nicht als das von Franz Walter attestierte “Haupthindernis für die Regierungsfähigkeit der Liberalen” erwiesen. Aber eigentlich ja doch…
    Ich leihe dir das E-Book gern aus, wenn dein WEB.de-Speicher es wieder zulässt… (mail von eben kam zurück).
    Freue mich auf deinen nächsten Beitrag und grüße herzlich, Reinhard

  2. 2 Felix

    Was? Du machst dir Wasser auf dem Elektroherd heiß und hast dabei auch noch Licht an? Am Ende duschst du auch noch warm? Was du bei der Ernährung an Gesundheit einbüßt, kannst du doch mit kalt duschen wieder wett machen! Fördert die durchblutung! Spart Kosten! Im Winter eine Decke um – das muß reichen! Und wie, bitteschön, soll man sich Pool und Benz und Puff (verzeihung, ich meine natürlich “Edel Etablissement”) und Drogen und “Schick” essen gehen und goldene Wasserhähne und Urlaub in Dubai und Zweitwohnsitz in Argentinien (Rückzugsmöglichkeit mit Tradition) und Schmiergelder (äh – “Spenden”…) und Privat-Jet leisten, wenn die Leute, die es mit sich machen lassen, jetzt auch noch ordentlich bezahlt werden wollen? Nee, mein Freund. So nicht!

    Man fragt sich, wie lang es wohl noch dauert, bis mal wieder jemand den Begriff “Lebensunwertes Leben” neu definiert…
    http://www.kriminologie.uni-hamburg.de/wiki/index.php/Lebensunwertes_Leben

    Hier noch ein paar nette Links zum Thema Dekadenz ;) :

    http://www.sueddeutsche.de/leben/821/427577/bilder/
    http://imaksim.com/large/128-party.html
    http://satiren.blog.de/2010/02/27/sagt-begriff-dekadenz-8083009/

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