
photo credit: Bertelsmann Stiftung
Militärische Einsätze um wirtschaftliche Interessen zu wahren. Dies sei nach den Worten des am 31. Mai zurückgetretenen Bundespräsidenten notwendig. Die Öffentlichkeit solle dies akzeptieren. Starke und unerhörte Worte eines Mannes, der aufgrund seines Amtes in der Bundesrepublik Deutschland eigentlich nicht viel zu sagen hat. Gerade diese engen Grenzen des Einflusses machten Horst Köhler offensichtlich zu schaffen. Es verwundert außerdem, dass Kritik an mancher seiner Äußerungen nicht in einer Art und Weise hingenommen wurden, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte. Respektlosigkeit vor dem Amt sieht Köhler in der geäußerten Kritik an seinem verworrenen und teils unverständlichen Interview, dass er am 22. Mai dem Rundfunksender „Deutschlandradio Kultur“ gab. Horst Köhler gibt nun die beleidigte Leberwurst und schmeißt dem Deutschen Volk das Amt vor die Füße. Wen wundert es, dass die Betroffenheit und Überraschung in Deutschland groß ist? Ein Mann, der beim Volk beliebter ist als jeder andere Politiker, nimmt Reißaus aufgrund einer Lappalie. So dünnhäutig darf man als Bundespräsident nicht sein. Als Wirtschaftfachmann war er angetreten und als solcher wurde er gewählt. Es stellte sich bereits 2004 die Frage wie wichtig ein Mann mit Fachkenntnis Wirtschaft im Amte des Bundespräsidenten überhaupt ist. In der Regierung wären diese Kenntnisse weitaus wichtiger. Köhler trat an mit dem Eifer Zeichen zu setzen, unbequeme Sachverhalte anzusprechen und ein offenes Ohr zu haben. Es war nicht das erste mal, dass ein gewähltes Staatsoberhaupt Deutschlands erkennen musste, wie eingeschränkt es im Grunde nur agieren darf. Bei Köhler war es am Offensichtlichsten. Seine Worte zu Wirtschaft und Finanzen verpufften, verhallten ungehört. Resignation schlich sich ein. Deutschlands Medien fragten sich bereits wo Köhler überhaupt steckte. Vom Schlossgespenst von Bellevue war sogar die Rede. Hinzu kamen Probleme im Bundespräsidialamt. Mitarbeiter bis hin zum Pressechef verließen Köhler. Wutausbrüche soll es gegeben haben. Schließlich das Interview vom 22. Mai. Die Regierung sprang Köhler nicht bei als er kritisiert wurde, die Opposition schoss aus allen Rohren. Es waren keine leichte Zeiten für Köhler, das leuchtet ein, doch wer den Eid darauf geschworen hat dem deutschen Volk zu dienen und sich sogar zur zweiten Amtszeit entschied, kann den Bettel nicht auf diese Art und Weise hinwerfen. Köhler agierte schwach. Respektlosigkeit vor dem Amt warf Köhler den Kritikern vor, doch durch seinen unerhörten Abgang war er es selbst, der respektlos mit diesem Amt umging.
Hier ist Köhlers Entgleisung aus dem Interview von 22. Mai nochmals zum Nachlesen:
“Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden, und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.”
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