In diesen acht Jahren sind (Kunst)Figuren entstanden, die noch heute in den Erinnerungen Vieler zurückgeblieben sind. Das Wichtigste an unseren Figuren war, dass sie ein Eigenleben begannen. Plötzlich sprach man nicht mehr von dem/der Schauspieler(in) sondern man erzählte von der Figur, die fast als echte, lebende Figur angesehen wurde.
Erna Gierig: Bereits 1990 auf der Bildfläche erschienen, hielt sie die ganzen Jahre durch, obwohl sie schon ziemlich betagt war. Eine echte hessische Babbelschnuut, die vor nichts und niemandem Halt machte. Ordentliche Rüffel in Richtung Zuschauer waren ebenso drin wie auch versteckte Seitenhiebe gegen Prominente und andere lokale Bekanntheiten. Sie ist nicht nur einmal damit angeeckt. Erinnert sei an den legendären Auftritt mir ihrer besten Freundin Minna auf dem Kleinlindner Weihnachtsbasar. Ein Eklat. Ich stand dabei und lachte mich schief, während von hinten einige “Aufhören” oder “Das ist ja unerträglich” riefen. Doch machen wir uns nichts vor: Die Mehrheit liebte Erna. Ob sie in Fernsehshows auftrat, einen Hauptgewinn vom Überbringer testen liess oder wie hier auf dem Bild zu sehen bei Erika Berger anrief um Potenzprobleme ihres Toasters zu diskutieren. Stets war das Publikum begeistert. Wie alt Erna heute ist? Das weiss keiner. Gut möglich dass sie bereits verstarb. Wäre schade drum.

Rooooland und Susi: Ein eigentlich ganz einfacher Sketch, der jedoch so überspitzt dargestellt wurde, dass diese beiden Figuren einfach hängengeblieben sind. Der lispelnde Roland und die verzickte Susi probieren ihren ersten Kuss. Leider sind beide so kurzsichtig, dass dies sich zu einer großen Schwierigkeit entwickelt. Zugegeben: es war keine neue Idee, aber diese beiden agierten so urkomisch auf der Bühne, dass es unvergessen bleibt.

Peter Mafia: Es ist schon erstaunlich, wie man mit einer einfachen Playback-Nummer eine solch große Wirkung erzielen kann. Es gab ihn nur zwei mal…aber er ist zum Klassiker geworden. Das erste mal wollte er über sieben Brücken gehen…aber das Tonband hing. Das zweite mal liess er sich von einer deutlich älteren Fraue verführen…und siegte dennoch über sie. Die Lachstürme waren stets enorm. Die Bekanntheit ging soweit, dass man mir beim Einkaufen in der Stadt “Hallo Peter Mafia” hinterher rief. Eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit

Der nette Herr von der Zimmervermittlung: Ein Student bewirbt sich um ein Zimmer ohne zu wissen, dass er bei einer Burschenschaft gelandet ist. Der zuständige Mann erklärt ihm die Vorraussetzungen und den Speiseplan…seltsam nur, dass der “Zimmervermittler” in solch eine Rage kommt, dass er selbst die Spucke nicht mehr halten kann. Wer diesen Sketch sah, wird ihn nie mehr vergessen. Eine Spur Wahnsinn war auch stets dabei

Milanowa: Eine Asylbewerberin, die leider mit der deutschen Sprache nicht zurechtkommt und an einen sehr unfreundlichen Beamten gerät. Nicht nur, dass Milanowa eine einzigartig gutgespielte Figur war, sie hat auch die Herzen der Zuschauer berührt. Inhaltlich hatte das Stück nicht jedem gefallen. Einigen war das zu plastisch, zu kritisch. Ich sah darin immer eine Bestätigung.

Das unaufgeklärte Mädchen: Natürlich stellt sich irgendwann die Frage: Wo kommen die kleinen Babies her? Schüchtern, wissbegierig und verlegen haben wir die Figur dargestellt. Ich fand sie immer so süß, dass sie hier nicht fehlen darf. Und die Antwort dieser Frage: Die konnten die Eltern nicht wirklich geben…denn das kleine Mädchen wusste sie doch schon…

Neuste Kommentare